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Neues vom Aks
Ein heikles Thema! Entlassung von Sexualstraftätern!
Nach derzeit geltendem Recht ist ein Sexualstraftäter nach Verbüßung der Haft und Sicherungsverwahrung entlassen worden. Eine anschließende Unterbringung nach dem ThUG (Therapie-Unterbringungsgesetz) in der Psychiatrie wurde vom Gericht abgelehnt.
Die ganze Brisanz und Komplexität dieses Themas wird bei der Durcharbeitung der folgenden Seiten deutlich. Zu diesem "besonderen Fall" hier klicken!
Wir danken RA Peter Steenpaß (langjährig im Vorstand des AkS) für die Bereitstellung dieses interessanten Materials.
Blickwechsel ...

in das AkS-Büro in Münster. Die Mitarbeiter Marco S. und Peter N., sowie der "Neue" Kollege Lars Sch. besprechen gerade im nicht sichtbaren Teil des Büros die Arbeit der nächsten Wochen, Tendenz seit Anfang des Jahres steigend!
Nachruf für Dr. Ulrich Kamann 1944 - 2011

Nachruf von Ernst Lauven, ehemaliger Gefängnisseelsorger an der JVA Werl, Gründungsmitglied des AkS und mehrere Jahre im Vorstand.
Bevor ich Herrn Dr. Ulrich Kamann erstmals begegnete, hatte ich einiges über ihn gehört. Für viele Inhaftierte war er ein Hoffnungsträger in aussichtsloser Situation. Meist freuten sie sich, wenn sie eine Anhörung vor der kleinen Vollstreckungskammer unter seinem Vorsitz hatten. Sie hofften auf eine positive Entscheidung, die allerdings oft ausblieb. Dennoch waren sie kaum geknickt oder enttäuscht.
Das war für mich eine erhellende Erfahrung. Als ich an einigen dieser Anhörungen teilgenommen hatte, ging mir auf, woran das lag. Dr. Kamann ließ die Inhaftierten zu Wort kommen und fragte präzise nach. Er hatte genaue Aktenkenntnis und wusste um deren Schwächen. Vom Strafvollzug, wie er durchgeführt wurde, hielt er wenig. " Jeder Tag im Knast ist ein Tag zu viel", war etwa ein Satz von ihm. Was in seinen Möglichkeiten lag, versuchte er, um Menschen das "Tor zur Freiheit" zu öffnen – wenn auch mit geringem Ertrag.
Denn vielen seiner Entscheidungen widersprachen der Auffassung der Anstaltsleitung, forderte deren Widerspruch heraus, dem von der nächst höheren Instanz oft stattgegeben wurde. Konnte Dr. Kamann keine positive Entscheidung treffen, gab er dem Betroffenen eine Erklärung, die der nachvollziehen und akzeptieren konnte. Das war eine seiner Stärken!
Unangenehm und laut wurde er allerdings, wenn ein Inhaftierter meinte, ihm etwas vormachen, ihn hintergehen oder täuschen zu können. Da verstand er keinen Spaß und machte das unmissverständlich klar.
Scharf auch war oftmals seine Kritik an Stellungnahmen der JVA über Inhaftierte. So konnte er zornig werden, wenn zuständige Sachbearbeiter lediglich aus früheren Stellungnahmen abschrieben. Eine Äußerung von Dr. Kamann lautete sinngemäß: "Ich bin selbst in der Lage, Akten zu lesen . Die brauchen Sie mir nicht vorzukauen. Mich interessiert zu erfahren, was in der JVA untergenommen wird, um Herrn ….. auf das Leben in Freiheit so vorzubereiten, dass er möglichst nicht rückfällig wird." Da traute er dem Strafvollzug nur wenig zu.
Gerne kam Dr. Kamann in die JVA, wenn er von einer Gruppe eingeladen war, um Fragen zu besprechen, die die Inhaftierten umtrieben.
Als die Unstimmigkeiten mit der JVA sich zuspitzten und sogar vor Gericht ausgetragen wurden, wurde Dr. Kamann als Vorsitzender der kleinen Vollstreckungskammer abgelöst.
Sein Interesse am Strafvollzug blieb lebendig. Häufig auch besuchten ihn entlassene Häftlinge, um sich Rat und Hilfe zu holen oder auch "nur" den Kontakt zu erhalten.
Als 1995 der "Arbeitskreis kritischer Strafvollzug" (AkS) ins Leben gerufen wurde, war Dr. Kamann einer der Gründer. Fast 10 Jahre blieb er im Vorstand tätig.
Nach seiner Pensionierung stieg er in eine Rechtsanwaltskanzlei ein und setzte sich mit schwindenden Kräften engagiert für Straftäter ein.
Obwohl er bereits seit einigen Jahren krank war, schonte er sich nicht. Was er tun konnte, um wieder gesund zu werden, unternahm er – leider vergebens.
Der gesundheitliche Zusammenbruch kam überraschend und war so massiv, dass die Ärzte chancenlos waren.
Dr. Ulrich Kamann starb am 14.Mai 2011.
Ihm und seiner Familie konnte ich einen Dienst erweisen, indem ich ihm das Geleit zur letzten Ruhe gab.
Das war auch ein Zeichen des Dankes an ihn für manche gute Begegnung und viele hilfreiche Gespräche.
Nachruf von Rechtsanwalt Peter Steenpaß, Hamm, Gründungsmitglied des AkS und mehrere Jahre im Vorstand.
Ulrich Kamann - Richter und Anwalt der Gefangenen
Wegen seiner zweijährigen schweren Erkrankung waren seine Freunde eigentlich auf sein Sterben vorbereitet, dennoch hat erst die Todesnachricht den großen Verlust für den deutschen Strafvollzug bewusst gemacht.
Ulrich Kamann agierte und provozierte als Richter und später als Rechtsanwalt mit einer Energie, die nicht nur Respekt auslöste, sondern Ausdruck seines Lebensprogramms war: Auf seinem Spezialgebiet Strafvollzug wollte er die Rechte der Gefangenen gegenüber der fast allmächtigen und totalen Institution des real existierenden Strafvollzugs stärken.
Dieses Programm hatte er bereits in seiner Promotion 1991 entwickelt. Nachdem die Euphorie über das (auf dem Papier) bahnbrechende Strafvollzugsgesetz aus dem Jahr 1977 wie eine Seifenblase an den Gefängnismauern zerplatzt war, formulierte Kamann 1991:
"Innerhalb des Vollzugs wird nach wie vor zumindest partiell der Gebrauch verbriefter Rechte der Gefangenen als ein quasi feindlicher Angriff auf die Anstalt verstanden, der einen Konter mittels der Ausübung von Pressionen nach behördlicher Auffassung durchaus rechtfertige." (Kamann, Gerichtlicher Rechtsschutz im Strafvollzug, Pfaffenweiler 1991, S. 3 )
Damit sich daran etwas ändere, hat er als Überzeugungstäter die Arbeit des Arbeitskreises kritischer Strafvollzug mitgestaltet.
Wesentlich auf seine Initiative geht die Gründung des AkS im Jahre 1995 zurück, als er mit einer Handvoll Gleichgesinnter nicht mehr bereit war, unhaltbare Zustände im Werler Knast zu verschweigen. Bis heute ist dieser AkS ein Unikat als unabhängige Organisation für die Rechte der Gefangenen geblieben.
Die Programmarbeit des AkS trägt auch seine Handschrift, die Erfindung des Namens AkS war sein spontaner Einfall.
Zwar musste er sich wegen seiner richterlichen Tätigkeit, der Arbeit als Buchautor von zahlreichen Standardwerken zum Strafvollzug und nicht zuletzt wegen des Vorsitzes im Institut für Konfliktforschung Köln bereits nach einer Wahlperiode aus dem Vorstand des AkS ausscheiden. Immer jedoch stellte er bei persönlichen Begegnungen die Frage: Was macht der AkS?
Ulrich Kamann war ein Lichtblick für viele Gefangene, ein Schrecken für Anstaltsjuristen und ein Reizthema für juristisch linientreu Besserwisser.
Den Knast-Bürokraten war er unangenehm, weil er mit seinem messerscharfen Verstand im privatem Gespräch oft erschreckende Persönlichkeitsdefizite analysierte. Sein schelmischer Humor formulierte dann die Frage: Wer geht schon freiwillig in den Knast?
Eine Ohrenweide war es, wenn er bei Anhörungen die Argumente der JVA-Juristen zerpflückte. Immer hat er den Spielraum der Gesetze zu Gunsten der Menschen ausgelegt und nicht nach starren Denkmustern Autoritätshöriger entschieden oder sich hinter obergerichtlicher Rechtsprechung versteckt.
Seine Persönlichkeit verwirklichte eine selten gewordene Identität von Justitia und Humanitas.
Ulrich Kamann war
als Jurist brillant und unbestechlich,
als Mensch immer wohlwollend und herzlich,
als Freund einzigartig und nicht ersetzbar.
Nachruf der Gefangenenzeitung "Posaune", Geldern, stellvertretend für alle, die Herrn Dr. Kamann kannten und schätzten.
"Wenn Du Schriftsätze aus dem Textbaukasten lesen möchtest, dann beauftrage einen Rechtsanwalt, aber wenn Du Taten sehen willst, dann gehe zu Herrn Dr. Kamann!" So hieß es immer. Danke für Engagement, Menschlichkeit und Augenmaß!