Brief des AkS an Herrn Skirl, Autor und JVA-Leiter in Werl

Sehr geehrter Herr Skirl,

mit Befremden haben wir zur Kenntnis genommen, dass Sie in Ihrem Buch „Wegsperren?!“ den Arbeitskreis kritischer Strafvollzug e.V. und die Humanistische Union in einem Atemzug mit der „Hilfsorganisation für nationale Gefangene“ als „ideologisch ausgerichtet oder am Rande des politischen Spektrums angesiedelte“ Vereinigung nennen.
Wenn man mit der Kritik an einer jahrelang verfassungswidrig vollzogenen Sicherungsverwahrung oder der Forderung nach einem menschenwürdigen Strafvollzug entsprechend den Vorgaben des Strafvollzugsgesetzes und des Verfassungsgerichts in Ihren Augen sogleich am politischen Rand steht, so stimmt uns dies besorgt. Uns schiene es eher angebracht, nachdem die höchsten Gerichte die Gesetzgebung zur Sicherungsverwahrung und die  entsprechende verfassungswidrige Strafvollzugspraxis in seltener Deutlichkeit abgekanzelt haben, selbstkritisch das eigene Verhältnis zur Verfassung zu überdenken.

Wenn die Arbeit des AkS zudem in Ihren Augen gleichzusetzen ist mit einer Arbeit, die der menschenverachtenden Ideologie glühender Nationalsozialisten entspringt, so ist dies ein Skandal.
Wir wundern uns, dass Sie in diesem Zusammenhang die HNG erwähnen. Es ist ja doch in Wirklichkeit beschämend für den Strafvollzug, dass er diese rechts extremistische Organisation drei Jahrzehnte lang ihre nationalsozialistische Politik bis hin zur Bildung von Netzwerken und Kontakten zum NSU untätig toleriert hat – ein Phänomen, zu dem der Vollzug ebenfalls Anlass zur Selbstkritik zur Genüge hätte. Zumal der AkS schon vor Jahren nach eigenen Recherchen darauf aufmerksam gemacht hatte und dies bis heute tut (zuletzt noch in Kooperation mit dem ZDF, Frontal 21, 14.5.2013). Insoweit scheint uns die obige Diffamierung auf einem bedenklichen Realitätsverlust zu beruhen. Um dem entgegenzuwirken, sind wir gern bereit, Sie zum Thema „Rechtsextremismus und Strafvollzug“ zu unterrichten.

Der Arbeitskreis kritischer Strafvollzug setzt sich seit nahezu 20 Jahren mit demokratischen Mitteln für einen humanen und rechtmäßigen Strafvollzug ein. Zahlreiche Zuschriften durch Gefangene machen deutlich, dass diese Arbeit dringend erforderlich ist, da innerhalb des Strafvollzuges einiges im Argen liegt.

Wir berichten, informieren und versuchen Kunst und Literatur ins Gefängnis zu bringen. Unsere Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich im Strafvollzug - auch in „Ihrer“ JVA - und handeln damit im Sinne des Strafvollzugsgesetzes und der aktuellen Leitlinien des Justizministeriums NRW.

Als Leiter einer großen Justizvollzugsanstalt sollten Sie einen professionelleren Umgang mit Menschen pflegen, denen das Wohlergehen der Gefangenen am Herzen liegt.  Dazu gehört, dass Sie damit angemessen umgehen und irrationale und diskriminierende Entgleisungen wie die hier in Rede stehende unterlassen, auch wenn Sie sich über mancherlei Kritik und Engagement nicht gerade erfreut zeigen.

Der Vorstand des AkS.

Zur Kenntnis an:
Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen Justizvollzugsbeauftragter des Landes Nordrhein-Westfalen