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zum Ingeborg-Drewitz-Preis
Ausschreibung 2010
Zum achten Mal soll der Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene vergeben werden. Wir rufen all inhaftierten und ehemals inhaftierten Frauen und Männer, auch Schreibgruppen, auf, sich mit Einsendungen von deutschsprachigen Texten zu beteiligen.
Das Thema der diesjährigen Ausschreibung lautet:
"Wenn dich niemand sieht…"
einsam - hilflos - blind – allein - verletzt - verloren - verlassen - nicht kontrolliert – mutlos - Gefühlschaos – Ängste – Erinnerungen – Träume - Tränen – Schmerz - Schuld – Wut – Liebe – Hass – Hoffnung - Sehnsucht - Ichsuche – Selbstsein – Zukunft
Schreiben Sie darüber !!!
Senden Sie uns spontane Texte, Erfahrungsberichte, Reportagen, Briefe, Gedichte, Erzählungen, Romane, Hörspiele, Theaterstücke, Features oder andere Textformen.
Aus den eingesandten Manuskripten wählt eine Jury die besten Texte aus, die publiziert und im Rahmen der Preisverleihung in Anwesenheit der Preisträger der Öffentlichkeit vorgestellt werden.
Einsendungen bis zum 6. Dezember 2010 an:
Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis, c/o Gefangeneninitiative e.V.,
Hermannstr. 78, 44263 Dortmund, Tel. 0231/412114
Träger des Ingeborg-Drewitz-Literaturpreises: Dokumentationsstelle Gefangenenliteratur der Universität Münster (Prof. Dr. H. H. Koch); Gefangeneninitiative e.V., Dortmund; Strafvollzugsarchiv der Universität Bremen (Prof. Dr. J. Feest); Evangelische und Katholische Gefängnisseelsorge in Deutschland; Chance e.V., Münster; Humanistische Union e.V., Landesverband NRW, Essen; Arbeitskreis kritischer Strafvollzug (AkS), Münster.
Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene 2011

in Bremen an sechzehn Autoren verliehen!
Hierzu einige wichtige Anmerkungen: Die Verleihung des Preises fand diesmal in Bremen beim Strafvollzugsarchiv statt. Leider waren nur drei bereits entlassene Preisträger anwesend. Die übrigen dreizehn hatten entweder keine Vollzugslockerungen erhalten oder sie sind bereits entlassen, aber für die Organisatoren des Literaturpreises unerreichbar gewesen, weil die Anstalten sich weigerten (Datenschutz), die Einladungsbriefe weiterzuleiten. Schade! Kenny Berger , ein mehrfach preisgekrönter Schreiber, lehnte eine Ausführung zur Preisverleihung von Duben (Brandenburg) nach Bremen ab, weil sie als Einzeltransport 780€ gekostet hätte. Wer kann das aufbringen?
Der deutsche Strafvollzug schreibt sich neuerdings viele kulturelle Errungenschaften und Aktivitäten auf die Fahnen, bei dieser hochkarätigen Literaturpreisverleihung war vom Engagement der JVA`s wenig zu spüren.
Achtung! Die JVA Rohrbach (Rheinland-Pfalz) hat dieses Buch an den Gefangenen Hubertus Becker angehalten mit der Begründung, sein Vollzugsziel sei dadurch gefährdet. Hubertus Becker ist Mitglied der Jury des Ingeborg-Drewitz-Literaturpreises. ....... Eine Strafvollzugsanstalt bevollmächtigt sich wieder einmal versuchsweise als Literaturkritiker! Nicht nur das, sie sperrt das Buch gleich mit weg und weiß außerdem, was für einen Gefangenen und Autor lesenswert ist oder nicht.
Wir erinnern: Nur wenige Kilometer weiter, Offenbach 1834. Hier wurde das Pamphlet "Der hessische Landbote" mit dem Aufruf "Friede den Hütten! Krieg den Palästen!" von Georg Büchner gegen die sozialen Mißstände dieser Zeit gedruckt. Die angegriffene Obrigkeit reagierte heftig (Überreaktion) auf diese Schrift. Büchner wurde steckbrieflich gesucht, floh aber über die nahe Grenze nach Straßburg, andere Mitstreiter wurden verfolgt und in unmenschliche Haft gebracht. Soweit damals!
" Heute" darf nicht geschehen, wo auch immer, auch nicht in Gefängnissen, dass kritische Literatur und Kunst, in diesem Fall Gefangenenliteratur, ausgesperrt und vorenthalten wird. Die Begründung, ein Gefangener sei durch ein solches Buch in seinem(?) Vollzugsziel gefährdet, ist nur vorgeschoben. Naheliegender dürfte sein, dass diese Literatur vollzugskritisch ist und für den Leser bohrende Fragen aufwirft, z.B. über den Sinn des Eingesperrtseins und den Sinn des Strafens, aber auch über die Zustände im heutigen Strafvollzug. Das macht dieses Buch und auch andere aus dieser Literaturreihe so unangenehm und provokant für einige rigide Vollzugspraktiker, dass sie den unstatthaften Versuch eines "Verbotes" wagen, wo doch die Unzulänglichkeiten des Strafvollzugs längst überall bekannt sind! Mit einem vorenthaltenem Buch ist da nichts mehr zuzudecken, das zeugt eher von Hilflosigkeit und Schreckhaftigkeit gegenüber dem geschriebenen Wort aus den Stiften, Kugelschreibern und Schreibmaschinen von Gefangenen. So leicht ist es allerdings nicht mehr, mißbeliebige Bücher auszusortieren, wie dieses Vorkommnis zeigt. Es wird bemerkt und folglich auch energisch protestiert.
Wir zeigen hiermit an, dass wir derartige Praktiken von Zensur ablehnen und fordern die sofortige Heraussgabe dieses Buches an den Betroffenen. Auch zukünftigen kunst/kultur- und literaturfeindlichen Beschränkungen im Strafvollzug stehen wir schon vorab erzürnt gegenüber, weil wir um diese letzten minimalen Freiheiten im Gefängnis fürchten.
"Krähen hocken auf den Dächern gegenüber. Fette, schwarzlackierte Krähen, Geächtete wie ich. Aussortiert, verbannt, wertlos, gestrichen aus der Welt der Menschen. Wegradiert und überzählig. Büsche lauern auf dem Hof, die letzten Blätter rötlich überflammt. Einsamkeit klopft an die Tür. Erinnerungen. Abendwarme Häuserschatten, windgekämmte Gänseblümchenwiesen, schneeballweiße Möwen. Der Aschenbecher ist randvoll. Pinkeln, Händewaschen, warten. Leben ist Konserve. Vom Hof riecht es nach Moder und nach Gestern" (Kenny Berger)
Das Buch enthält literarische Texte von 16 Autoren und Autorinnen aus deutschen Gefängnissen, die mit dem Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene 2011 ausgezeichnet wurden.
Sie beschreiben authentisch und literarisch anspruchsvoll, wie Gefangene die Haft erleben, ihre Einsamkeit, Ängste, Verzweiflungen, Empörungen, ihre Selbstbefragungen, ihre Hoffnungen, Träume, die Suche nach einem neuen Sinn.
Sie stellen auch die Frage nach der Legitimation solcher Gefängnisse in einer Demokratie.
Die Fotos des Buches dokumentieren künstlerische Arbeiten von Gefangenen aus dem Bildhauerprojekt Bremen-Oslebshausen, das von Siegfried Neuenhausen geleitet wurde.
ISBN 978-3-938834-60-2 Preis 9.90€
Liste der Anthologien Ingeborg-Drewitz-Preis

Risse im Fegefeuer
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug Reiner Padligur Verlag, Hagen 1989.
Fesselballon
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug edition villon im Daedalus Verlag, Münster 1992.
Gestohlener Himmel. Widerstehen im Knast
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug Thom Verlag, Leipzig 1995.
Wenn Wände erzählen könnten
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug agenda Verlag, Münster 1999.
Nachrichten aus Anderwelt
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug agenda Verlag, Münster 2002.
Nichts beginnt. Nichts passiert. Nichts endet.
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug agenda Verlag, Münster 2005.
Geräusche der Nacht
Literatur aus dem deutschen Strafvollzug agenda Verlag, Münster 2008.
Über die Preisverleihung des Ingeborg-Drewitz-Preises November 2011 berichten wir hier in Kürze. Ebenso stellen wir die neue Anthologie vor.